Aus dem Leben

Es lebe der Alk (Gastbeitrag)

Ein Hoch auf den Alkohol! Jawohl, richtig gehört: Gepriesen seien Bier, Wein, Whiskey und Schnaps! Das finden Sie anstößig, gar verantwortungslos? Na, dann nuckeln sie ruhig weiter an ihrer Bio-Schorle, schlürfen ihren Yogi-Tee und lecken Sie mich am Arsch. Ich stehe dazu: alkoholische Getränke sind großartig und die genussfeindliche, gesundheitsfanatisierte Gesellschaft von Fitnessaposteln und Vernunftsdogmatikern eine Fehlentwicklung der menschlichen Kultur.

Schon klar: Alkoholkonsum kann krank machen, verantwortlich sein für sozialen Abstieg, Gewaltexzesse und psychischen Verfall. Es ist ein Nervengift und zu viel davon ist tödlich. Daran ist nicht zu rütteln.

Aber, verdammt noch mal, ist das Zeug deswegen schlecht? Nein! Nicht schlechter als Zucker, Fett, Koffein, Cholesterin, Aspirin oder Theremin. Die Dosis macht das Gift.

Wirklich schädlich ist der aktuelle gesellschaftliche Umgang mit Alkohol. Er ist allgegenwärtig, aber keiner darf ihn mögen. Wie bescheuert ist das? Wer bei geselligem Zusammensein keinen Alkohol trinkt, muss sich rechtfertigen. Wer allerdings im Alltag offen für Alkohol schwärmt, muss so tun, als gehe es ihm nur um die komplexen Aromen,  das Terroir, die Kultur. Keiner darf sagen: Oh dieser schöne Wein hat so schön besoffen gemacht. Als wäre der Rausch nicht eine zentrale Funktion alkoholischer Getränke. Diese Verlogenheit und Doppelmoral ist schädlicher, als es jeder Drink je sein könnte. Der Konsens ist: Wenn du nicht trinkst, bist du seltsam, wenn du aber gern trinkst, bist du Abschaum. Kein Wunder, dass niemand ehrlich mit seinem Konsum umgeht und ihn entweder verschweigt oder verharmlost oder verdrängt. In der Folge bleibt schädlicher Konsum unangesprochen, weil die Peinlichkeit zu groß ist.

Ich wünsche mir eine Trinkkultur, die dem Rausch seinen angemessenen Platz zurückgibt. In der anerkannt wird, dass viele Künstler ihre Meisterwerke ohne den Einfluss von Alkohol nicht geschaffen hätten. In der es eine anerkannte Grauzone zwischen Abstinenz und Alkoholismus gibt.

Ich will das Trinken nicht glorifizieren. Zu viel zu trinken ist genauso idiotisch, wie zu schnell zu fahren – in beiden Fällen kann man sich und anderen erheblichen Schaden zufügen. Und jemand, der sich totsäuft, hat von mir genau so wenig Mitleid zu erwarten, wie jemand, der sich zu Tode fährt. Aber schnelle Autos sind geil und man darf sie geil finden.

In diesem Sinne: Hoch die Tassen, auf den Rausch und die Unvernunft, das schöne Leben und den Genuß – Prost!

 

Zum Autor

Moritz Döring arbeitet für die Werbebranche, hat eine Schwäche für unpopuläre Meinungen, schottischen Whiskey, und alles, was Katzen tötet. Er lebt aktuell mit zwei Katzen und drei Frauen in Norddeutschland.

 

Gastbeiträge

Mein Statement zum Thema Gastbeiträge auf halbherzig.com findet Ihr im Artikel „Eine Party ohne Gäste„.

 


 

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