Aus dem Leben

Das Glück der Anderen – Dinge, die man niemals können wird

Als Kind wollte ich Feuerwehrmann werden. Später Tierarzt. Und dann kamen Frauen dazwischen und plötzlich fand ich mich im wahren Leben wieder, studierte und praktizierte in dem, was trotz all der vielen Träumereien doch meine wahre Berufung gewesen ist. Und um es direkt einleitend zu sagen: Alles ist super so! Aber, es gibt unbestrittener Maßen diese Momente, die sicherlich einige von Euch kennen.

STUFE 1: DAS WÜRDE ICH AUCH GERNE KÖNNEN

Zu Hause wird renoviert, der Maler stolziert in 4 Metern Höhe auf einer 20 cm breiten Planke herum, quatscht, wackelt, hat dabei ein Pfeifen auf den Lippen und da verläßt dieser Gedanke die Tiefen des Gehirns: „Oh man, das würde ich auch gerne können!“. Aber nein, stattdessen wird mir schon schwindelig, wenn ich auf der Leiter stehe und eine Glühbirne wechseln muß. Und ob es der Maler ist, der Elektriker, der beherzt zukneift trotz eingeschalteter Sicherung, der Mauerer, der sich eine Garage einfach mal selbst hoch zieht oder der KFZ Mechaniker, der einfach weiß, wie ein Auto funktioniert und warum manchmal auch nicht. Das alles würde ich auch gerne können. Jedoch mit der Abgrenzung, dass ich deren Jobs nicht jeden Tag machen wollen würde.

STUFE 2: DER HAT DOCH DEN ABSOLUTEN TRAUMJOB

Aber zu dem ganzen gibt es selbstverständlich eine Steigerung. Kommen wir zu Stufe zwei… Es gibt immer wieder diese Momente, in denen man Personen sieht, die den vermeidlichen Traumjob haben. Nehmen wir einen Gärtner: In diesem wahrhaftigen Traum aller Beschäftigungen ist man den Großteil der Zeit an der frischen Luft und kann die Natur genießen. Nein, viel besser noch – man hält sie in Schuß und hat neben einer profunden Fachkenntnis der Pflanzen- und Baumwelt auch gleich noch die bestmögliche Ausrüstung, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Hinzu kommt, dass man im Normalfall seine Ruhe hat und je nach Tageslaune dem Vogelgezwitscher lauscht oder sich auf pflänzisch mit dem Grünzeug unterhält. Und wer zum Teufel soll einschätzen können, ob der 3.450qm große parkähnliche Garten im Blankeneser Villenviertel nun in zwei schnellen, drei mäßigen oder gar vier „ich schnibbel mal hier, ich schnibbel mal da“ Tagen bestellt ist. Ich möchte Gärtnern nicht grundlegend absprechen, dass sie Streß haben können. Aber in der Summe aller soeben genannten Aspekte würde ich sofort tauschen.

Ein weiteres Beispiel gefällig? Alle zwei Jahre muss ich meinen Oldtimer zum Tüv bringen. Und da gibt es diese Werkstatt, die sich, auf Oldtimer spezialisiert, meinem fahrenden Sofa immer annimmt. Ja, ich bin so einer, der gerade mal die Motorhaube auf bekommt und Öl nachfüllen kann, beim Wechsel der Bremsscheiben oder Wischerblätter jedoch auf professionelle, gut bezahlte Arbeit der Fachleute zurückgreifen muß. Nicht, weil ich zwei linke Hände habe, sondern weil mich einfach nicht interessiert, warum ein Auto vorwärts fährt, wenn ich einen Gang einlege, warum eine Kupplung abnutzen kann und weshalb die Start-Stop-Automatik den Wagen immer abschaltet, wenn ich es am wenigsten brauchen kann. Aber kommen wir zurück zum Traumjob: Oldtimer Schräubling – oder wie auch immer die heißen.

Stets stehen sie in Rudeln um eine offene Motorhaube, die ölverschmierten Hände abgestützt und schmeißen ihre Köpfe zusammen, den Blick auf den Motor gerichtet. Und sie scheinen zu wissen, was sie tun. Dabei dampft der Kaffee auf dem Werkzeugwagen, der übrigens alle Nüsse und Größen enthält, die man sich nur wünschen kann. Zu Hause fehlt immer die eine, die man gerade braucht. Und nach ausgiebigem Schrauben hier, etwas Schweißen da und ganz viel Fachsimpeln ist der Tag auch schon wieder rum und ein weiteres Prachtstück der mobilen Vergangenheit straßentauglich gemacht. Wir fassen zusammen: Alte Autos, ungefilterte Abgase, Kaffeeflatrate, Männer Fachgesimpel und glückliche Kunden, die ihren Schatz wohlbehalten, neu geschminkt und mit frischer Plakette wiederbekommen – wo ist der Haken?

Es bleibt die Frage: Ja und warum zur Hölle machst Du dann nicht einen dieser tollen Jobs? Oder die immer wieder genannte These: Jeder Job ist am Ende ein Job und die Routine zerstört das nach außen wirkende Idealbild. Das glaube ich nicht. Routine mag den Traum manchmal etwas verblassen oder alltäglicher aussehen lassen. Aber jeder von uns, der in einem dieser Berufe seine wahre Berufung gefunden hat und das auch im tiefsten seines Herzens spürt, saugt die neidischen Blicke der anderen auf und schmunzelt wissentlich im Inneren, wenn die Augen des Gegenübers verraten: „Der hat doch den absoluten Traumjob“.

Und nur so aus Interesse und falls Ihr Euch in diesem Beitrag wiedergefunden habt: Bei welchem Beruf oder in welchen Situationen blickt Ihr neidvoll auf das Gegenüber? Hinterlasst gerne einen Kommentar – ich bin sehr gespannt!

 


 

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.